Überraschung Marokko

Sehr geehrte Reisegäste,

Ende Februar war ich in Marokko auf einer Dienstreise. Drei Tage begleitete ich unsere Gruppe im Süden des Landes, dann besichtigte ich Hotels in Agadir und Marrakech, wo unsere Gäste untergebracht werden.  Als ich im Flieger auf dem Hinflug saß, fiel mir ein marokkanisches Sprichwort ein: die Welt ist ein Pfau, und Marokko ist sein Schweif. Hm… Ich war nicht das erste Mal dort, war trotzdem gespannt, weil es jedes Mal eine neue Überraschung gab.

 „Sehr geehrte Damen und Herren, wir werden in Kürze im Flughafen Agadir landen, bitte legen Sie die Sicherheitsgurte an und bringen Sie ihre Sitze in aufrechte Position….“

Flughafen Agadir Al Massira: herrlicher Sonenschein, duftende wunderschöne Rosen zu Begrüßung. Jacke ausgezogen, Sonnenbrille aufgesetzt, die Reise beginnt.                                                                                        

Marokko gehört zu den schönsten und  vielfältigsten Ländern der Welt. Nur einen Katzensprung von Europa entfernt findet man großartige Landschaften, eindrückliche Lehmbauten, arabische Altstädte, bunte Märkte und vor allem offene liebenswerte Menschen, die einen Besucher in eine Welt aus Tausendundeiner Nacht eintauchen lassen.

Marokko liegt im Nordwesten des afrikanischen Kontinents, eingebettet zwischen Atlantik und Mittelmeer, Algerien im Osten und der marokkanischen Sahara im Süden. Alles ist hier vorhanden: schneebedeckte Berge, einsame Wüstenlandschaften, weite grüne Ebenen und kilometerlange Sandstrände. Im Winter fährt man Ski im Atlasgebirge, südlich von Agadir kann man das ganze Jahr über surfen. Erstklassige Golfplätze gibt es fast in allen größeren Städten, wobei die in Marrakech und in Rabat Dar Essalam zu den besten der Welt zählen. Ausflüge und Expeditionen in die Sahara sind besonders beeindruckend. Historisch interessierte finden Spuren und Zeugnisse der früheren Eroberer Marokkos, der Phönizier und Römer.

Kultur der Küstenregionen Marokkos ist von den ausländischen Eroberern geprägt, das Landesinnere, vor allem aber die Berg- und Wüstenregionen, ist zum Teil bis heute unberührt geblieben. Erst die Römer, dann die Vandalen aus Südspanien, dann besetzten muslimische Araber das heutige Marokko. Sie brachten nicht nur die verspielte orientalische Architektur, sondern auch den Islam. Er ist noch heute offizielle Staatsreligion und bestimmt das Alltagsleben. Im Gegensatz z.B. zu Saudi-Arabien wird im Lande von der Mehrheit ein moderner Islam praktiziert. Drei Religionen leben in Marokko in Frieden miteinander: Islam, Judentum und Christentum. Ein gutes Beispiel für den Rest der Welt.

Noch heute ist der Einfluss der ehemaligen Protektoratsmächte spürbar: im Nordosten des Landes  ist Spanisch die erste Fremdsprache neben der offiziellen Amtssprache Arabisch. Im Süden ist es dagegen Französisch. So auch die Küche. Marokkanische Küche erfreut den Gourmetgaumen mit ihren Späzialitäten: Couscous, Tajines, Mechoui, Pastilla, Kefta, Fleischspiesse, Harrira. Entlang der Atlantik- und  Mittelmeerküste bekommt man immer frischen Fisch. Im Norden wird die spanische Tradition der Tapas gepflegt, man findet auf der Speisekarte Tortilla und Paella. Gute Baquettes und Croissants, cafe au lait findet man überall. Und der berühmte The a la menthe, grüner Tee mit frischen Pfefferminzblättern, ist ein köstlicher Begleiter beim Essen oder zwischendurch.

Seit dem Amtsantritt König Mohammeds VI. gab es einige Reformen zur Demokratisierung und Modernisierung des Landes. Der junge Monarch, der sich gern mit Sonnenbrille, Lederjacke und Zigarette fotografieren lässt, ist für die Mehrzahl der Marokkaner der neue Hoffnungsträger einer besseren Zukunft. Sein Engagement für die sozial Benachteiligten des Landes zeigt, dass es endlich einen König gibt, der tatsächlich an Fortschritt interessiert ist.

Zusammen mit der arabischen Lebenseinstellung, die dem Augenblick mehr Gewicht verleiht als einer Zukunft, die nur in Gottes Hand liegt, ergibt sich eine sympathische Mischung aus mediterranem und orientalischem Lebensstil.  Es ist diese Art von Laissez-faire, aber auch eine großzügige Gastfreundschaft und Offenheit gegenüber Fremden, die Marokko für viele stressgeplagte Europäer so anziehend macht.

… und Marokko ist sein Schweif. Hm.. Stimmt!

Ihre L. Derichsweiler

Abteilung Orient

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