Reisebericht „Mit MS Bellriva eine unbekannte Großstadt entdecken“

Eine Kurzkreuzfahrt nach Holland ist die willkommene Gelegenheit, einige Tage die Seele baumeln zu lassen und zusätzlich eine niederländische Großstadt näher kennenzulernen, welche oftmals nur als sekundäres Reiseziel wahrgenommen wird. Nach der Einschiffung verlässt MS Bellriva die Domstadt und macht sich auf den Weg nach Amsterdam.

Die pulsierende Hauptstadt der Niederlande (ca. 810.000 Einwohner) ist nach wie vor Dreh- und Angelpunkt jeder Holland-Kreuzfahrt. Neben Grachten, Rotlicht und Coffeeshops, gibt es ein ausgesprochen reichhaltiges Angebot an Museen. Blickfänge sind z.B. das neue Filmmuseum „the eye“ und das ehrwürdige Paleis op de Dam. Der imposante Bau wird manchmal als 8. Weltwunder bezeichnet und hat seltsamerweise fast noch den Status eines Geheimtipps bei deutschen Besuchern. Ein Großteil der Gäste lernt Amsterdam auf einer geführten vormittäglichen Stadtrundfahrt kennen und nimmt im Anschluss an einer Grachtenrundfahrt teil. Der Nachmittag steht eigentlich für individuelle Unternehmungen in der Stadt zur Verfügung.

Doch bei hochsommerlichen Temperaturen lockt die Bar auf dem teilweise überdachten Sonnendeck zahlreiche Gäste an. Der Ausblick auf das bunte Treiben auf dem Wasser ist ebenso ALL INCLUSIVE wie die zahlreichen Erfrischungsgetränke, welche sich einer regen Nachfrage erfreuen. Hotelmanager Andreas und seine rechte Hand Ondrey sind ebenfalls an Deck präsent und nehmen sich gerne Zeit für ein Gespräch mit ihren Gästen. Auffällig ist abermals die hohe Quote an Stammgästen; die „ihrem“ Schiff und der netten Crew die Treue halten. Kreuzfahrtleiter Tino profitiert von einem reichen beruflichen Erfahrungsschatz und erfüllt seine Aufgaben mit großer Umsicht. Unterstützt wird er von einem charmanten slowakisch-ungarischen Rezeptionsteam, welches mit viel Humor und ausgezeichneten Deutschkenntnissen punkten kann.

Nach über 21 Stunden Weltstadt-Vergnügen in Amsterdam gehört der nächste Tag zwei interessanten Ijsselmeer-Destinationen. Streng genommen befährt die Bellriva dazu aber nicht das Ijsselmeer, sondern das Markermeer. Entstanden ist das Ijsselmeer in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts. Damals wurde der 29 km lange Abschlussdeich an der Verbindungsstelle der ehemaligen Zuiderzee zur Nordsee errichtet. Hintergedanken beim Bau des Deiches waren der Schutz vor Sturmfluten und die Landgewinnung. Seit 1976 gibt es zusätzlich einen Mitteldeich zwischen Enkhuizen und Lelystad. Durch diese Teilung gibt es nun den
ca. 1.137,4 km² großen nördlichen Teil (Ijsselmeer) und den mit ca. 700,6 km² kleineren südlichen Teil (Markermeer).

Der riesige künstlich entstandene Süßwassersee ist heute ein Eldorado für Segler und Freizeitkapitäne. Touristisch geprägte historische Orte und Städte laden zum Verweilen ein. Von Amsterdam bis nach Volendam beträgt die Fahrtzeit für MS Bellriva nur knapp zwei Stunden. Der ehemalige Fischerort ist heute ein bevorzugter Wohnsitz für zahlreiche prominente Niederländer. In unmittelbarer Nähe zum Schiffsanleger befindet sich die Touristenmeile mit Geschäften, Restaurants und diversen Fischständen. Trotz der hervorragenden Verpflegung an Bord ist der berühmte junge Hering mit Zwiebeln die Versuchung wert.

Am frühen Nachmittag wird die Fahrt in Richtung Hoorn fortgesetzt. In der ca. 71.000 Einwohner zählenden Stadt gibt es viele interessante Baudenkmäler zu sehen. Zur Zeit der berühmten Vereinigten Ostindischen Kompanie erlebte Hoorn seine wirtschaftliche Blüte und war eine Hafenstadt von internationaler Bedeutung.

Pünktlich um 19 Uhr befindet sich MS Bellriva auf der Rückreise. Unterwegs steht, am nächsten Morgen, noch ein Stopp in Nijmegen auf dem Fahrtprogramm. Das Flusskreuzfahrtschiff fährt zunächst auf dem Markermeer zurück nach Amsterdam. Von dort geht es, über den Amsterdam-Rhein-Kanal, auf den Fluss Waal (größter Rheinarm im Mündungsdelta des Flusses).

Nijmegen (auf Deutsch Nimwegen) ist, trotz einer langen Fußgängerpassage mit zahlreichen interessanten Einzelhandelsgeschäften, mehr als nur bevorzugte „Shopping Destination“ in Grenznähe. Zusammen mit Maastricht und Dordrecht kämpfen die Bewohner der ehrwürdigen Hansestadt um den Titel „Älteste Stadt“ der Niederlande. Sie besitzt römische Wurzeln und feierte 2005 ihren 2000 Geburtstag. Die Römer unterhielten hier den Militärstützpunkt „Ulpia Noviomagus Batavorum“. Später folgten Merowinger und Karolinger. Karl der Große ließ um das Jahr 777 auf den Mauern der römischen Vorgängerbauten eine Pfalz errichten. Ihre Fertigstellung erlebte er jedoch nicht mehr. Ca.100 Jahre später eroberten die Normannen die Kaiserpfalz und brannten sie bei ihrem Abzug nieder. In ottonischen und salischen Zeiten folgten königliche und kaiserliche Hoftage. Gegen 1030 ist auf dem Pfalzgelände die St.-Nikolaus-Kapelle errichtet worden. Sie gilt als eines der ältesten Gebäude der Niederlande und könnte eine Stiftung zum Gedächtnis der Kaiserin Theophanu sein. Diese war im Jahre 991 in Nijmegen verstorben und hatte den Kult um den heiligen Nikolaus im Reich bekannt gemacht. Vom Schiff aus ist es nur ein kurzer Spaziergang zu den Überresten des mittelalterlichen Valkhof. Dieser verdankt seinen Namen den Falken, welche im Vorhof der Burg gehalten wurden. Kein Geringerer als der Kaiser Friedrich Barbarossa baute Mitte des 12. Jahrhunderts die 1047 abermals niedergebrannte Pfalz in eine imposante Burganlage um. Im November 1165 erblickte in Nijmegen sein Sohn, Heinrich VI, das Licht der Welt. Ebenfalls vorhanden sind auf dem Valkhof Gelände die Ruinen der Chorapsis der Martiniskapelle aus dem 12. Jahrhundert. Leider verkaufte 1796 die Provinz Gelderland den Valkhof zum Abbruch.

Ebenso interessant ist ein Blick in die Stadtgeschichte! 1230 erreichte Nijmegen den Status einer freien Reichsstadt. Einige Jahre später gelangte die Stadt als Pfand in die Hände des Grafen Otto II. von Gelderland. Da es nicht ausgelöst wurde, blieb Nijmegen im gräflichen Besitz. 1402 Mitgliedschaft in der Hanse mit Handelsbeziehungen nach England und in den Ostseeraum. 1543 kam die Stadt in spanische Hände. Eroberung durch Prinz Moritz im Jahr 1591. Friedensschluss zwischen Frankreich und der Republik der Sieben Vereinigten Provinzen, im Jahr 1678, in Nijmegen. In der Gegenwart zeichnen die Stadt, an der Waal, ein kleiner rekonstruierter Altstadtkern, interessante Museen und gepflegte Parkanlagen aus. Dem bereits erwähnten Graf Otto II verdankt die heute ca. 168.000 Einwohner zählende Universitätsstadt auch den Bau ihres heutigen Wahrzeichens. Unter seiner Regentschaft begannen Mitte des 13. Jahrhunderts die Arbeiten am Bau der Stevenskerk. 1273 wurde das Gotteshaus dem Heiligen Stephanus geweiht. Nach zahlreichen baulichen Ergänzungen konnte 1475 ein Stiftskapitel eingerichtet werden, welches zum Ende des 16. Jahrhunderts aufgehoben wurde. Nach dem Bildersturm war 1591 endgültig die Reformation eingeführt worden. 1944 wurde die imposante Stevenskerk bei einem alliierten Bombardement schwer getroffen. Nachdem ein Luftangriff auf Gotha abgebrochen wurde, wollten die Piloten ihre vernichtende Last eigentlich über Kleve entladen. Allerdings kam es zu einer fatalen Verwechslung der Städte und so wurde der 22.02.1944 zum Schicksalstag für Nijmegen und seine Bewohner! In den Jahren 1953 bis 1969 erfolgte der gelungene Wiederaufbau des imposanten Gotteshauses.

Am Nachmittag verlässt MS Bellriva die Stadt an der Waal und nimmt Kurs auf Köln. Dort endet am nächsten Morgen eine kurze Flussreise, welche auch langfristig in bester Erinnerung bleiben wird.

 

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