Reisebericht „Meine Begegnung mit Iran“

Iran Rundreise

Am Abend des 02. Februar 2016 stieg ich in Istanbul in eine Maschine der Turkish Airlines ein und landete in der Nacht gegen 02:15 Uhr in Shiraz, einer Großstadt im Iran. Kurz vor der Landung verwandelten sich die Frauen im Flugzeug. Die Kopftücher werden luftig um die Haare geschwungen. Ich machte es ihnen nach. Am Schalter legte ich meinen Pass mit Visum vor. Der Grenzbeamte schaute in den Pass, auf mich, ein Stempel – und ich bin im Iran des Jahres 1394. Der erste Eindruck: die Menschen strahlten Ruhe und Freundlichkeit aus, haben ab und zu einen neugierigen Blick auf uns geworfen. Man merkte, Ausländer sahen die Menschen hier nicht so oft.

Zum Jahr 1394. Der Iranische Kalender ist ein Sonnenkalender, der genauso viele Tage und Monate wie unser Kalender hat. Er beginnt allerdings mit dem 1. Farvardin (21.März). Dieser Kalender beginnt seine Jahreszählung im Jahr 622. Ganz einfach: 2016-622=1394.

Am 21.03. feiern Iraner das Neujahrs- und Frühlingsfest No Ruz, persisch „Neuer Tag“, neues Jahr also. Sozusagen Weihnachten im Frühling. Familien kommen zusammen, Geschenke werden ausgetauscht, lecker gegessen, gefeiert.

Shiraz. Leuchtende Reklame in arabischer und lateinischer Schrift, Banken, Geschäfte, Imbiss, Restaurants. Und überall Bilder vom Ajatollah Chomeini und seinem Nachfolger Ajatollah Chamenei, die geistlichen Führer, die laut Verfassung über Recht und Gesetz stehen. Überall sieht man Iranische Fahnen, die schmücken die Straßen oder bestimmte Gebäude, Brücken. Alles funktioniert. Geldautomaten überall vorhanden. Und es ist alles sehr sauber.

Auf einmal kommt eine Gruppe junger Mädchen, in schwarzen Umhängen (anscheinend eine Art Schuluniform) verhüllt, auf uns zu. Sie lachen offen und fröhlich und fragen uns. „Where are you from?“ Nach unserer Antwort „Germany“ kommt sofort eine freundliche Begrüßung „Welcome to Iran!” Diese Szene haben wir oft erlebt. Überall haben uns die Menschen freundlich begrüßt, wir waren willkommen. Sie wollten nichts von uns, sie haben sich gefreut, dass wir zu ihnen gekommen sind.

Iran Rundreise

 

Iran Rundreise
Eram Garten

 

Shiraz ist eine 1,5 Millionen-Stadt mit vielen Gärten und Grünanlagen. Hier verweilt man gerne im Sommer, wenn die Temperaturen hochsteigen. Die Stadt liegt im Zagrosgebirge ca. 1500 m über dem Meeresspiegel, das Klima mild und relativ angenehm. Durch die Lage der Stadt am Gebirge bläst immer ein Wind durch die Stadt und vertreibt aufkommenden Smog. Autos mit Katalysatoren bzw. Feinstaubfiltern sind im Iran kein Thema. Die Stadt existierte schon 2000 vor Chr., Hinweise darauf fand man auf den elamischen Tontafeln, die 1970 bei Bauarbeiten gefunden worden sind. Später war Shiraz Hauptstadt und Kulturzentrum des achämenidischen Persiens. Nach Islamisierung des Landes erlebte Shiraz zahlreiche Kriege, Zerstörungen, gute und schlechte Zeiten. Wir haben viele Sehenswürdigkeiten der Stadt besichtigt, wie z.B. Eram Garten (oben).

Iran Rundreise
Nasir al-Mulk Moschee mit eindrucksvollen Mosaikfenstern

 

Iran Rundreise
Zitadelle des Karim Khan

 

Iran RundreisePause. Mittagessen. Wir sind auf dem Bazar. In einem kleinen und gemütlichen Restaurant wird der berühmte Fleischspieß Kebab serviert. Mit Reis, Gemüse und immer dazu Fladenbrot und Yoghurtdip. Alles liebevoll zubereitet und angerichtet. Egal, in welchem Lokal man isst. Es schmeckt einfach wunderbar. Man legt viel Wert auf gutes Essen. Der Iraner hat im Gegensatz zu uns Deutschen keinen Bierbauch sondern einen Reisbauch, von dem in Unmengen vertilgten Reis. Später konnten wir uns davon überzeugen, dass das stimmt. Fast jeder Iraner, auch die schlanken, haben eine mehr oder weniger große Wölbung im Hosenbundbereich.

Der große Mediziner des Mittelalters Ibn Sina hat alle Lebensmittel in warme und kalte Speisen unterteilt. Bis heute hält man sich beim Essen an diese Regeln. Zum Beispiel, Reis gehört zu kalten Speisen, Safran – zu warmen oder Auberginen sind warm und Zucchini kalt. Das passt zusammen. In der Kombination warm + kalt sind die Speisen dem menschlichen Körper bekömmlich.

Iran RundreiseEin ganz wichtiger Ort, den ich sehr gerne überall auf der Welt besuche, ist der Bazar. Im Bazar taucht man in das Leben der Menschen ein, man kommt schnell ins Gespräch beim Eis-Essen oder beim Probieren von verschiedenen exotischen Leckereien. Das habe ich in Shiraz natürlich auch getan. Nach dem Essen hat Safran-Scherbet (=Sorbet) für volle Zufriedenheit gesorgt. Die Verkäufer sind sehr höflich, aufmerksam und korrekt. Die jungen Männer sind (wie bei uns) oft mit Ihrem Smartphone beschäftigt, die älteren lesen eher eine Zeitung, wie hier auf dem Bild.

 

Der Teppich im Vordergrund ist ein berühmter Gabeh-Teppich. Diese Teppiche werden von den Nomaden Kaschgai in der Provinz Fars geknüpft. Die Wolle ist besonders weich und geschmeidig. Sie wird ausschließlich mit natürlichen Farbstoffen gefärbt. Diese werden mittlerweile auch schon in Afghanistan, Indien, China und Türkei gefertigt. Die Qualität ist aber bei weitem nicht so, wie bei den Originalen im Iran.

Nachmittags ging es zu einem bedeutenden Ort für alle Perser, dem Grab des Dichters Hafiz. Sein Name bedeutet „jener, der den Koran auswendig kann“. Den Koran hatte er schon im Kinderalter auswendig gelernt. Seine Dichtkunst und Freiheit des Denkens wurde schon von Goethe zutiefst bewundert. Goethe setzte ihm ein literarisches Denkmal im „West-östlichen Diwan“. Die Verehrung der Bevölkerung Irans für ihn ist außerordentlich groß.

Der Tag verlief sehr schnell. Am nächsten Morgen stand auf dem Tagesprogramm Persepolis, Naq-e Rostam. Die Ruinen der antiken Hauptstadt Persepolis, dem Sitz der Könige Darius, Kyrus und Xerxes beeindruckten mit dem Ausmaß der Anlage. Naq-e Rostam, Nekropole der Achämeniden, Felsengräber der berühmten Könige. Die Kreuzform ist ein altes arisches Symbol, das vier Himmelsrichtungen darstellt. Das erste Felsengrab ist vom König Darius, der einst das Reich von Indien bis Ägypten regiert hat. Gleich daneben unten ist ein Relief, auf dem der Triumpf über die römischen Kaiser Valerian und Philippus Arabs verewigt wurde.

Iran Rundreise

 

Iran RundreiseDie Reise geht weiter in Richtung Yazd. In Passargadae besuchen wir das Grabmal des König Kyrus.

 

 

 

 

 

 

Die ganze Ebene ist umgeben von Gebirgsketten. Hier wächst u.a. Süßholz, der Ausgangsstoff für Lakritz. Der Reiseleiter hat ein Stück von der Wurzel ausgegraben und uns zum Probieren gegeben. Hat wirklich sehr süß geschmeckt. Weiter auf der Fahrt nach Yazd durchqueren wir die Wüste umgeben von Bergketten. In der Gegend sind große Vorkommen vom weißen Marmor der hier abgebaut wird. Aus der Entfernung sehen die Berge verschneit aus. Bei näherem Hingucken stellt sich der Schnee aber Steinbruch für weißen Marmor dar.

In Abarkuh haben wir eine Pause gemacht, Tee mit Plätzchen. Vor uns stand eine 4.500 Jahre alte Zypresse! Ein stummer Zeuge der persischen Geschichte.

Ca. 250 Km vor Yazd auf einmal Schild „Fasten your seatbelts“. Dann fahren wir auf die Autobahn drauf. Links – schneebedeckte Berggipfel, rechts- kahle Wüste mit trockenen Flussläufen. (Wadis).

Yazd. Eine der ältesten Städte in Iran, in der Wüste gelegen. Am Stadtrand sehen wir die „Türme des Schweigens“. Die alten Zarathustrier bestatteten hier ihre Toten. Die Geier fraßen die Leichen, die Knochen wurden aufgelöst. Danach war Platz für die nächsten Leichen. Der alte Schah hat 1970 diese Bestattungsart verboten.

Iran Rundreise Iran Rundreise

 

 

 

 

 

 

 

 

Neben den Türmen ist jetzt ein Friedhof, wo man die Toten in einem irdischen Grab bestattet, hier sieht man den Friedhof am Fuße der Türme des Schweigens.

Iran Rundreise

Iran Rundreise
Jame Moschee, der Eingang

Auf der Straße zum Eingang gab es neben Touristenshops auch ein modernes kleines Cafe mit WI-FI und einem wunderbaren Espresso.

Unser Reiseleiter Mohsen hat uns viel über Islam, Schiitentum und Unterschied zwischen Sunniten und Schiiten erzählt und erklärt.

Wir liefen durch die engen Gassen der Altstadt, begegneten alten und jungen Menschen, haben zugeschaut, wie die Bäcker ihre Fladenbrote aus dem heißen Ofen rausgeholt haben, beobachteten die Handwerker bei der Arbeit.

Nach dem wir unsere süßen Mitbringsel im Bazar eingekauft haben, ging es weiter zu dem berühmten Feuertempel Atashkadah.

Das Feuer brennt in diesem Tempel schon 1500 Jahre ununterbrochen! Immer wieder wird ein neues Holzstück auf das Feuer gelegt, die Flamme lebt weiter. Yazd war das Zentrum des zoroastrischen Glaubens im Iran. Das ist der erste monotheistische Glaube auf der Welt. Die Zoroastrier, deren Prophet Zarathustra war, glauben an vier heilige Elemente: Feuer, Wasser, Erde und Luft und sehen im ewigen Feuer und Licht das Sinnbild des höchsten Gottes, der Ahura Mazda.

Es geht weiter nach Isfahan, die schönste Stadt Irans.

In Meybad machen wir Halt. Das Mittagessen hat unser Mohsen in einer ehemaligen Karawanserei bestellt, die allerdings komplett renoviert und modern ausgebaut wurde. Da wo wir heute essen, wurden zu Zeiten der Seidenstraße die Kamele bzw. Pferde versorgt. Allerdings getrennt da die Tiere sich nicht riechen konnten.

Heute gibt es einen Grillteller mit Salat.

Nach dem Essen haben wir die ehemalige Karawanserei noch gründlich besichtigt. Hier haben Karawanen auch einmal Rast gemacht. Vergleichbar mit der Moderne, kann man sagen, das war wie ein Motel, nur statt vier Reifen haben die Fahrzeuge damals nur vier Beine gehabt.

Der Weg nach Isfahan ging durch die Wüste Dasht-e-Kavir, die größte Wüste Irans, bekannt durch die gescheiterte Geiselbefreiungsaktion der Amerikaner. (Operation „Eagle Claw“, April 1980)

Von hier wollten die amerikanischen Hubschrauber starten um die Geisel in Teheran zu befreien. Die Natur und unvorhergesehene Umstände haben den Amerikanern aber einen Strich durch die Rechnung gemacht und die Operation scheiterte kläglich. Das war ein reales Scenario, anders als man es gewöhnlich in Hollywood-Filmen sieht. Die Iraner schmunzeln noch heute darüber.

In regelmäßigen Abständen sah man ca. 1 Meter hohe Aufwerfungen. Das sind die Zugänge zu unterirdischen Wasserleitungen, sogenannte Qanate, die das Wasser von den Bergen in ein System weiterleiten. Die ersten Qanaten soll es schon 2000 Jahre vor Christus gegeben haben. Die längsten sind bis zu 130 km lang. So konnten die Felder, Pistazienplantagen, Gemüsegärten bewässert werden. Diese Systeme werden heute noch teilweise genutzt, wurden bzw. werden allerdings heute nach und nach durch elektr. Pumpen und Grundwasser ersetzt. Nachteil dabei ist, dass der Grundwasserspiegel sinkt.

Abends Ankunft in Isfahan. Gegenüber dem Abbasi Hotel wurden wir im Hotel Safir untergebracht. Das Hotel Abbasi wollten wir natürlich auch mal gesehen haben. Eine wunderschöne Anlage mit Innenhof und Springbrunnen, Palmen, schön gepflasterten Wegen. Der Schah ließ den alten Karawanserei in ein Hotel umbauen, hat selbst in diesem Hotel mehrmals übernachtet.

Iran RundreiseAn diesem Abend wurden einige Sicherheitskontrollen beim Betreten des Hotels durchgeführt. Der Grund war der Besuch des griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras mit Gefolge, der im Abbasi Hotel nächtigte. Am nächsten Tag kreuzten sich unsere Wege und des Herrn Tsipras bei Besichtigungen mehrmals. Die Limousinen wurden zwar von den Sicherheitsbeamten bewacht, sonst keine Absperrungen, nichts. Wir konnten um die Autos rumlaufen, die griechische Fahne berühren, Fotos machen.

 

 

 

Iran Rundreise

Die Mullahs in der Moschee waren sehr offen und freundlich, haben mit uns gesprochen und versucht zu erklären, dass der Islam eine friedliche Religion ist, dass der Terrorismus nichts mit dem Islam zu tun hat. Es gibt Mullahs mit weißem Turban und solche mit schwarzem Turban. Die Religion und die Lehre ist gleich.

Iran RundreiseDie schwarzen Turbane zeigen, dass der Träger von der Familie des Propheten Mohamed stammt, die weißen aus einer Nicht-Prophetenfamilie.

Zum Imam-Platz. Moschee, Palast, Bazar, Handwerker, man braucht viel Zeit, um alles zu beschreiben. Ich habe viele Bilder gemacht, versucht, den Platz von allen Seiten zu fotografieren. Das habe ich leider nicht geschafft.

 

 

 

 

Iran Rundreise

Ein Bild habe ich noch: der Sonnenstrahl reflektiert in der Mitte der Kuppel. Es sieht aus wie der Schwanz einer Pfaus. Die Baumeister wollten das so.

 

 

 

 

 

 

Es fing an zu regnen. Das Programm hat der Reiseleiter deswegen leicht geändert. Erst ins armenische Viertel, dann zu den berühmten Brücken Isfahans.

Im armenischen Viertel versetzten wir uns in die christliche Welt. Weihrauch drang in uns ein und beim Betreten der Kirche sagten alle nur „Ach!“ Wunderschön. Armenier lebten hier seit Jahrhunderten, haben ihre Kirchen gebaut, ihre Kultur und Traditionen aufbewahrt.

Iran Rundreise

Endlich der Gang über die schöne Brücke Khaju, die von den Stadtbewohnern sehr beliebt ist. Man nennt sie „Brücke der weinenden Männer“. Männer, die „nahe am Wasser“ sind und von Ihren Frauen nicht ganz nett behandelt wurden. Hier weinen die sich aus. Die Brücke ist ein beliebter Treffpunkt für junge Leute, die hier den Sonnenuntergang genießen, sich unterhalten.

Iran Rundreise

 

Iran RundreiseAn der Brücke ist sogar eine kleine Polizeistation. Man sieht hier auf dem Bild die geparkten „Zweirad-Polizeifahrzeuge“.

 

 

Die Perser nennen Isfahan „die Hälfte der Welt“. Die Stadt ist wirklich sehenswert, mit vielen Sehenswürdigkeiten. Während man durch die charmante Stadt läuft, faszinieren mich nach wie vor die Menschen, die mir begegnen. Selbstbewusst, freundlich, offen und oft lächelnd.

Weiterfahrt Richtung Teheran.

Nach einem kurzen Stopp in Natanz wieder auf der Autobahn. Plötzlich hält unser Bus, der linke Stoßdämpfer ist kaputt. Nicht mal 10 Minuten stehen wir am Straßenrand und es halten LKWs an und fragen ob wir Hilfe brauchen. In ca. 20 Minuten kommt ein Mechaniker von der naheliegenden nächsten Stadt und fährt mit uns bis zu der nächsten Raststätte, wo wie unser schnell improvisiertes Mittagessen zu uns nehmen. In der Zwischenzeit hatten der Fahrer und der Mechaniker unseren Bus repariert und nach dem Essen ging es weiter.

Iran Rundreise
Raststätte

Sauber, modern, gute Auswahl an Speisen und Getränke. Eis, Süßigkeiten, Obst, Kaffee. Das Wetter wurde immer schlechter, fing an zu regnen und zu schneien. Schade, im Süden war das Wetter schöner, es war wärmer.

 

 

 

 

Iran RundreiseLetzter Abend in Teheran. Riesenstadt, mit umliegenden Gebieten ca. 15 Mio. Einwohner. Diese Stadt werde ich nächstes Mal kennenlernen, habe ich mir vorgenommen. In der Nacht Abflug nach Deutschland.

 

 

 

 

 

 

Das war meine erste Reise in den Iran, ich denke aber nicht die letzte!

Ich habe in meinem Bericht absichtlich nicht viel über zahlreiche Sehenswürdigkeiten geschrieben. Ich wollte Ihnen meine Eindrücke, meine persönliche Begegnung mit diesem wunderbaren Land mitteilen.

Auf Wiedersehen!

Iran Rundreise

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.